Thorsten Reinicke

Solar 1 - Kosten

Newsgroup: de.sci.architektur
Subject: Re: Sinnvolle Umweltschutzmaßnahmen
Date: Sat, 8 Jan 2000

Vorredner:
> Geld (Preis) ist für mich ein Meßmittel der insgesamt eingebrachten Energie. Wenn die Solaranlage teurer als der Nutzen ist, heißt das das mehr Energie gebraucht als gewonnen wird. Eine solche Anlage ist dann theoretisch für die Umwelt schlechter als eine Gas- oder Ölheizung.

Thorsten Reinicke:
Ich habe selten so einen Blödsinn gelesen.

In Energien aus Kohle, Öl, Gas wurde und wird erheblich investiert. Sie können in Massen und entsprechend preiswert angeboten werden.

Gleichwohl ist der Aufwand für konventionelle Energien enorm. Es werden Bergbau Ölplattformen, Tankschiffe, zentralen Crack-Anlagen u.a. benötigt. Damit läßt sich Geld verdienen. Allerdings haben wir auch die bekannten Umweltprobleme wie Ölkatastrophen, Luftverschmutzung, Landschaftszerstörung u.a. Die Folgekosten hiervon gehen i.d.R. nicht in die "Rentabilitätsrechnungen" ein.

Solaranlagen klinken sich dagegen in den natürlich Ablauf von Sonneneinstrahlung und Erdabstrahlung ein. Sie produzieren während ihres Betriebs keinerlei Verschmutzung oder Abgase. Zur Herstellung von Solarzellen brauchen wir lediglich Sand "aufzusammeln" und ihn in Solarzellen umzuformen. Wir müssen dafür nicht in der Erde "rumbuddeln".

Und das soll für die Umwelt schlechter sein und teurer als der heutige Aufwand?

Das Problem scheint mir eher zu sein, dass sich mit Solarenergie kaum Geld verdienen läßt. Sie "rechnet sich nicht", weil sie im Rahmen unseres heutigen Wirtschaftsystems zu wenig Aufwand verursacht, mit dem sich eben Geld verdienen ließe. Ihre konsequente globale Umsetzung würde obige Industrien nahezu überflüssig machen. Außerdem würde Solarenergie (Dezentralität) gegenüber den hergebrachten Energieträgern (Zentralität) veränderte Gesellschaftsstrukturen erfordern. Die "Hüter des Feuers" müßten Macht aufgeben. An allem hat heute kaum jemand Interesse.

Dabei ist Solarenergie überall auf diesem Planeten vorhanden. Die Sonne strahlt unaufhörlich das 10.000 bis 15.000-fache dessen an Energie auf die Erde ein, was wir global überhaupt an Energie (Verkehr, Produktion, Heizung etc.) benötigen. Theoretisch-rechnerisch steht uns tatsächlich saubere Energie im überfluß zur Verfügung. Nur, außer dem Verkauf und Montage von Solarzellen und einiger Apparaturen läßt sich damit eben kein weiterer Umsatz machen. Die Energie selbst ist frei verfügbar. Das ist in etwa so, als würdest Du Luft in Dosen verkaufen wollen. Und Luft haben wir nunmal (noch) im überfluß.

Also wird kaum in Forschung, Entwicklung und Produktion von Solaranlagen investiert, und die wenigen Anlagen, die es gibt, führen ein entsprechend teures Luxusdasein.

Was Geld als "Meßmittel" angeht: In unserer heutigen Wirtschaft zählt allein der erzielte Gewinn. Ob dieser Gewinn aus dem Ernten von Kartoffeln oder dem Töten von Menschen (Waffenproduktion) resultiert, ist der Bilanz herzlich wurscht. Hauptsache, es wurde unter dem Strich ein monetärer Gewinn erzielt. Der Kapitalismus hat in dieser Hinsicht keinerlei eingebaute Moral.

Kohle, Öl, Gas waren in den vergangenen Jahrhunderten erforderlich, um unsere Zivilisation auf ein gewisses technisches Niveau zu heben. Heute geht es darum, dieses Niveau mit unseren natürlichen Gegebenheiten in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen - ansonsten beißen wir uns selbst in den Arsch. Ob Geld dafür als alleiniges Meßmittel ausreicht, habe ich allerdings erhebliche Zweifel.

Wie auch immer. In absehbarer Zeit (50 bis 150 Jahre) werden wir so oder so auf Solarenergie umsteigen müssen, weil die herkömmlichen Energieträger dann verbraucht sein werden. Solarenergie ist so gesehen keine "Alternative", sondern derzeit einzige Möglichkeit. Und unsere heutigen Sparbemühungen sind insofern blödsinnig, als dass sich eben nichts mehr sparen läßt, wenn an Kohle, Öl und Gas nichts mehr da ist. Und an Solarenergie müssen wir nicht sparen - die gibt es kostenfrei und umweltfreundlich im überfluß.

Grüsse TR

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